Als die letzten Konfettikanonen verstummten und die Lichter in der Wiener Stadthalle langsam erloschen, stand fest: Der Eurovision Song Contest 2026 hatte Wien für zwei Wochen in einen Ausnahmezustand versetzt. Neun gigantische Shows lagen hinter der Stadt, Hunderttausende Fans hatten gefeiert und Bulgarien durfte erstmals den Sieg beim größten Musikspektakel der Welt bejubeln. Doch hinter den glitzernden Bildern auf den Fernsehschirmen stand auch eine Gruppe, die oft gar nicht wirklich wahrgenommen wurde: 664 Volunteers, ohne die ein Event dieser Größenordnung kaum möglich gewesen wäre.
Sie arbeiteten im Publikumsservice, betreuten Delegationen aus aller Welt, halfen im Media Center, im Eurovision Village, am Flughafen Schwechat, am Hauptbahnhof oder im Eurofan House. Andere gehörten zum Help and Care Team, das einspringen musste, wenn irgendwo Chaos drohte. Viele von ihnen hatten monatelang auf diesen Moment hingearbeitet. Freiwillig, unbezahlt und voller Vorfreude.
Der Weg zum Volunteer war allerdings alles andere als einfach. Wer dabei sein wollte, musste volljährig sein, Englisch sprechen, ein sauberes Leumundszeugnis vorweisen und vor allem Begeisterung mitbringen. Doch das allein reichte nicht. Die Bewerberinnen und Bewerber mussten zusätzlich drei Selfievideos zu unterschiedlichen Themen aufnehmen, um im Auswahlverfahren zu überzeugen. Danach folgten Castings, entweder persönlich vor Ort oder online.
Bild: dietextbastelstube
Wer es durch den aufwendigen Bewerbungsprozess geschafft hatte, hielt schließlich stolz die begehrte Volunteer-Akkreditierung in den Händen, quasi die Eintrittskarte in eine Welt hinter den Kulissen des Eurovision Song Contests. Dazu gab es die offizielle Uniform und hoffentlich gefühlt unendlich viele schöne Erinnerungen. An den Tagen, an denen man für eine Schicht eingetragen war, gab es für die Volunteers auch Verpflegung. Entweder in der Kantine der Stadthalle, als Lunchpaket oder in Form eines Essengutscheins für ein Lebensmittelgeschäft im Wert von fünf Euro. Die Akkreditierung galt während dieser Zeit auch als Freifahrtsschein für die Wiener Öffis. Der wohl größte Moment für viele Volunteers wartete jedoch zwischen den Arbeitsschichten: einmal selbst im Publikum der Wiener Stadthalle mit dabei zu sein und die größte Musikshow der Welt hautnah live mitzuerleben.
Doch warum tut man sich das freiwillig an?
Die Antworten ähneln sich: neue Menschen kennenlernen, Erfahrungen sammeln, Kontakte knüpfen und Teil eines einzigartigen Projekts sein. Für viele Volunteers war der Eurovision Song Contest ein Abenteuer, das sie nie vergessen werden.
Die Realität sah allerdings nicht immer so glamourös aus wie die Fernsehbilder.
Gerade im Eurovision Village am Rathausplatz herrschte teilweise organisatorisches Chaos. Manche Volunteers berichteten von fehlenden Einweisungen und unklaren Aufgabenbereichen. Statt fixer Zuständigkeiten musste man sich oft selbst Arbeit suchen. Wer Eigeninitiative zeigte, konnte improvisieren. Viele lernten ihre Kolleginnen und Kollegen kaum kennen, weil nie das gesamte Team gemeinsam eingeschult wurde. Manche wussten bis zum letzten Tag nicht einmal genau, wer überhaupt zu ihrer Gruppe gehörte. Glücklicherweise gab es einige engagierte Volunteers, die u.a. eine WhatsApp-Gruppe gründeten, um wichtige Informationen an KollegInnen weiterzugeben und auch um interessante und tolle Kontakte zu knüpfen.
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Kurios wirkte auch der Umgang mit den offiziellen Wasserflaschen, die jeder Volunteer zu Beginn erhielt: Mit auf den Rathausplatz nehmen durfte man sie aufgrund der strengen Sicherheitsvorkehrungen trotzdem nicht. Immerhin sprang der ORF ein und versorgte die Volunteers mit Getränken.
Besonders bitter wurde es, wenn das Wetter umschlug. Während die Fans in die Stadthalle strömten, warteten Volunteers teils vergeblich im strömenden Regen auf versprochene Regenponchos. Dazu kamen kurzfristig gestrichene Schichten, die bei vielen Frust auslösten. Manche hatten extra Unterkünfte organisiert oder ihre Freizeit geopfert, nur um dann kurzfristig ausgeladen zu werden.
Und dennoch: Viele erinnerten sich vor allem an den Zusammenhalt. Das Help and Care Team versuchte unermüdlich, Probleme zu lösen, Volunteers zu unterstützen und die Stimmung aufrechtzuerhalten. Auch das Ambassador Team war rund um die Uhr um einen reibungslosen Ablauf der Volunteers bemüht und versuchte mit aller Ruhe sämtliche Wünsche zu erfüllen und Fragen zu beantworten. Doch guter Wille allein konnte organisatorische Schwächen nicht immer ausgleichen.
Abseits der Probleme bot der Eurovision Song Contest dennoch ein riesiges Spektakel. Im Eurovision Village am Rathausplatz herrschte täglich Festivalstimmung. Zwischen Kinderprogramm, Konzerten ehemaliger und aktueller ESC-Stars sowie DJ-Sets wurde getanzt, gesungen und gefeiert. Besucher konnten Karaoke ausprobieren, den fiktiven „Tanzschein“ machen oder ihre Geschicklichkeit beim „Skifahren“ testen. Überall verteilten Sponsoren Goodies, während aus den Essensständen der Duft von Kaiserschmarren, Würstel und Dürüm zog. Im offiziellen Merchandise-Shop deckten sich Fans mit Erinnerungsstücken ein.
Auch das Eurofan House im Wien Museum entwickelte sich zu einem Treffpunkt für eingefleischte ESC-Fans. Dort gab es Meet-and-Greets mit aktuellen Künstlerinnen und Künstlern, Ausstellungen mit Erinnerungsstücken aus vergangenen Jahrzehnten und auch einen weiteren Merchandise-Shop.
Selbst die große Farewell-Party der Volunteers in der Ottakringer Brauerei verlief nicht ganz ohne Pannen. Doch vielleicht passte genau das zu diesem Eurovision Song Contest hinter den Kulissen: ein riesiges Projekt voller Emotionen, Improvisation und Chaos, getragen von Menschen, die freiwillig ihre Zeit opferten, damit Europa zwei Wochen lang gemeinsam feiern konnte.
Abschließend bleibt nur noch zu sagen: ich würde es immer wieder machen!
19.05.2026
Bild: dietextbastelstube
